drucken

Pressemeldung im Detail

Gerhard Raffs 10 Gebote für Reutlingen

REUTLINGEN. Es ist erst im November erschienen, wird bereits in der zweiten Auflage ausgeliefert und gilt schon jetzt als neues Meisterwerk schwäbischer Schriftstellerei: »Die Gschicht vom Mose ond de Zehn Gebot« hat Mundart-Autor Gerhard Raff aus Degerloch wie stets für einen guten Zweck geschrieben. Kommenden Dienstag signiert und verkauft er sein Buch zugunsten von »GEALeser helfen« auf dem Weihnachtsmarkt.

In der Bruderhausdruckerei: Gerhard Raff (rechts) mit Betriebsleiter Horst König (links) und Mitarbeiter Roland Glaser. FOTO: Gerhard Schindler

»Die Leute stehen Schlange wie in alten Tagen«, stellt Gerhard Raff derzeit überall dort fest, wo er seinen »Schwäbischen Mose« unter die Leute bringt. Damit spielt der 65 Jährige auf seinen Bestseller »Herr, schmeiß Hirn ra!« an, der inzwischen in der 24.Auflage erscheint und ihm den Titel »meistgelesener Dialektautor der Gegenwart« eingebracht hat ein Buch, mit dem allein der promovierte Historiker bislang über eine Million Euro für wohltätige Zwecke »errafft« hat, wie er selbst seine karitative Mission bezeichnet.

Raff wäre nicht Raff, hätte er nicht auch mit seinem neuesten Werk gute Taten im Sinn.
»Die Gschicht vom Mose und de Zehn Gebot« verkauft er wenn er nicht gerade bei »GEA Leser helfen« zu Gast ist zur Sanierung der Veitskapelle in Mühlhausen am Neckar. Aber mehr noch: »Wir drucken das Buch nicht in transdanubischen  Sklavenlohndruckereien«, betont der schwäbische Wohltäter, »sondern bei Gustav Werner im Reutlinger Bruderhaus«. Sein neuer Verlag Landhege, den Raff zusammen mit seinem Schriftstellerkollegen Gunter Haug gegründet hat, will damit einheimische Betriebe unterstützen.

»Die Leute stehen Schlange wie in alten Tagen«

Neben der Reutlinger TraditionsBuchbinderei Lachenmaier zählt zu den Auftragnehmern damit eine Druckerei, die keine gewöhnliche ist: In der Grafischen Werkstätte der BruderhausDiakonie, wie ihr offizieller Name lautet, arbeiten 53 Menschen mit und ohne Behinderungen zusammen. Vor allem Menschen mit psychischen Erkrankungen fänden hier in geschütztem Rahmen Arbeit und Anerkennung, erklärt Horst König, der als Betriebsleiter nicht nur Industriekaufmann und Druckplattenhersteller ist, sondern zugleich Heilpädagoge.

Für Gerhard Raff ist die Grafische Werkstätte nicht zum ersten Mal tätig. Auch der dritte Band seiner KönigshausHistorie »Hie gut Wirtemberg allewege« und seine »Eiserne Ration für furchtlose und treue Württemberger« liefen hier von der BogenoffsetMaschine zusammen mit dem »Schwäbischen Mose« inzwischen weit über 50 000 Exemplare. Von Letzterem ist Horst König auf Anhieb persönlicher Fan geworden vor allem, weil Raff die Zehn Gebote in unvergleichlicher Art und Weise ausgelegt habe: »Ein Schwab kann da das begreifen, was er in der Bibel vielleicht überliest«, meint König und ergänzt: »Wenn man einem Jungen erklären will, was die Zehn Gebote sind, kommt man um die Muttersprache nicht herum.«

Das neue Werk aus Raffs spitzer schwäbischer Feder ist ein vergnüglicher Schnelldurchgang durch das Buch Exodus des Alten Testaments und zugleich viel direkter, anschaulicher und knitzer als die bekannte Vorlage. Die Knechtschaft der Israeliten in Ägypten (»koi guets Lebe«), die Geburt von Moses (»hählenge uffzoge«) und sein Aufwachsen am Hof des Pharao (»onter dere ägyptische Hottwollee«), Gottes Auftrag und die sieben Plagen, der Auszug und schließlich die Zehn Gebote (»zwoi schwere Tafle«): Raffs schwäbische Wendungen verleihen den biblischen Inhalten immer wieder neue Seiten.

Wie so häufig verbindet Raff dabei historische Anschaulichkeit mit Aktualität: Im Kern der Geschichte der Darstellung der Zehn Gebote fügt Raff seiner schwäbischen Erläuterung jeweils ein persönliches »Ond onder ons« hinzu zum Gebot »Du sollst nicht stehlen« etwa die Warnung: »Obacht, viele Räuber laufet net en grobgstroifte Zuchthausklamotte, sondern en piekfeine Azügle mit Nadelstroife rom.«

Unter all seinen Büchern nimmt Raffs »Schwäbischer Mose« in mehrfacher Hinsicht eine besondere Stellung ein: Er erscheint komplett in Farbe und mit Ton und wird in Reutlingen sowohl gedruckt als auch gebunden.

Der Vierfarbdruck ist den meisterhaften Zeichnungen geschuldet: Dieter Groß, lange Jahre Professor an der Stuttgarter Kunstakademie, hat die Zehn Gebote und mögliche Verstöße gegen sie unnachahmlich ins Bild gesetzt. Und Bernd Stolz, Zeichner und Lehrer von der Ostalb, schuf liebevolle, detailreiche Ansichten zu Moses Leben und den Sieben Plagen. Und weil sich schwäbische Klänge stets gegen Verschriftlichung sträuben, liegt dem Buch eine CD bei vom DialektAutor selbst in seiner Degerlocher Färbung besprochen.

Auf dem Weihnachtsmarkt auch wieder mit dabei ist Gunter Haug, der hat seinen historischen Roman »Die Rose ohne Dornen« die tragische Lebensgeschichte der Stauferkönigin Irene von Byzanz dabei sowie sein neues Werk »Pumpensumpf«, einen Politthriller rund um Stuttgart 21. Beides wurde natürlich auch in Reutlingen gedruckt. (GEA)

« zurück zur Übersicht

Aktuelles

Spielwarenmesse in Nürnberg

Verlässliche Qualität überzeugt, BruderhausDiakonie – Holzbausteine trotzen Stolpersteinen

mehr »

Werkstätten auf der DMS

Die Messe DMS (Digital Management Solutions) in Stuttgart

mehr »

Beeindruckendes Beispiel für gelungene Inklusion

BruderhausDiakonie: Dimitri P. arbeitet auf einem "betriebsintegrierten Arbeitsplatz" im...

mehr »