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Bauklötzchen aus Bad Urach für Kinder in Japan

Eine Delegation aus Fernost hat die Werkstätten besichtigt, in der Menschen mit Behinderung Bausteine aus Buchenholz herstellen. Von Thomas de Marco

Großes Interesse an Einblicken in die Arbeit der Werkstätten von der Bruderhaus-Diakonie: Eine Delegation aus Japan zu Gast in Bad Urach. Hinten steht Werkstättenleiter Alexander Herbrich.

Großes Interesse an Einblicken in die Arbeit der Werkstätten von der Bruderhaus-Diakonie: Eine Delegation aus Japan zu Gast in Bad Urach. Hinten steht Werkstättenleiter Alexander Herbrich.

Der Mann an der Sägemaschine, der den Buchenholz-Block in Stücke zerlegt, genießt ungewohnte Aufmerksamkeit: Um ihn herum steht eine Gruppe, die fotografiert, mit dem Smartphone Videos aufnimmt oder sich Notizen macht. Eine Delegation von 12 Japanerinnen und Japanern ist zu Besuch in den Werkstätten der Bruderhaus-Diakonie in Bad Urach, wo Menschen mit Behinderung Bauklötzchen herstellen. „Die Kinder in Japan lieben diese Holzbausteine“, sagt Masaharu Higuchi, ein Großhändler aus dem Ballungsraum Tokio.

Er ist nach Deutschland gereist, um die Nürnberger Spielwarenmesse zu besuchen. Mit dabei sind zwei Angestellte seiner Firma, außerdem weitere Händler sowie Erzieherinnen und Erzieher aus verschiedenen Städten in Japan. Von Nürnberg aus ist die Gruppe ins Schwäbische gereist und besichtigt verschiedene Hersteller von Holzspielzeug in der Region: die Firma Ostheimer bei Weilheim/Teck, den Betrieb Holzspielzeug Beck in Hülben – und eben die Werkstätten der Bruderhaus-Diakonie. Außerdem schauen sich die Gäste aus Fernost noch einen Kindergarten in Münsingen an.

„Meine Kunden und die Erzieher habe ich mitgebracht, damit sie sehen, wie das Spielzeug hergestellt wird und sie dadurch einen persönlichen Bezug dazu bekommen“, sagt Generalimporteur Higuchi. Er setze sehr auf Qualität. Die Bad Uracher Werkstätten liefern mittlerweile auch einige Sonderanfertigungen nach Japan. „Das Buchenholz von hier ist etwas sehr Besonderes, das wir in Japan kaum haben. Die Bauklötzchen sind sehr sauber verarbeitet. Das ist wichtig fürs Bauen und Stapeln“, erklärt Higuchi. „Ich kaufe keinen Ramsch!“

Ein Händler aus Sapporo von der Nordinsel ist mit nach Deutschland gekommen und schaut sich die Fabrikation genau an. „Ich beliefere alleine in Sapporo rund 700 Kindergärten“, sagt Susumu Fujita. Er ist wie drei weitere Einzelhändler sowie vier Erzieherinnen und Erzieher auf eigene Kosten nach Deutschland gereist, um sich zwei Wochen lang über Holzspielzeug zu informieren. „Es ist wichtig, dass die Kinder mit den Klötzchen spielen. Dabei sind sie zum einen sehr konzentriert und zum anderen auch kreativ“, sagt Sayaka Shiraki, 29, die in der Millionenstadt Fukuoka auf der südlichen Hauptinsel Kyushu für 33 Kinder verantwortlich ist. Zur Kirschblüte im Frühjahr haben sie mal einen Sakura-Baum aus 800 Klötzchen gebaut, ein Bild davon zeigen sie stolz bei der Besichtigung in Bad Urach. Seit Juli machte Erzieherin Shiraki in München, Hamburg und Lüneburg Praktika in verschiedenen deutschen Kindergärten und interessierte sich vor allem für die Waldorf-Kindergärten.

Heute reist sie nun mit der japanischen Delegation zurück in ihr Heimatland. Zuvor ist in Bad Urach aber noch kräftig gefeiert worden: Die Verantwortlichen der Werkstätten, die vom großen Interesse der japanischen Gäste sehr angetan sind, hatten das Vereinsheim des Fanfarenzugs gemietet und zum schwäbischen Büfett eingeladen. Und zu Hause wird Sayaka Shiraki den Kindern mit ihren Videos zeigen, wie die Bauklötzchen, mit denen sie spielen, in Bad Urach hergestellt werden.

Japan ist größter Exportmarkt für die Werkstätten

Seit 1952 wird in Bad Urach in den Werkstätten der Bruderhaus-Diakonie Holzspielzeug hergestellt. Etwa 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind beschäftigt, die meisten haben eine Behinderung.
80 Prozent des Lohns machen die Pflegesätze der Krankenkassen aus, 20 Prozent müssen die Werkstätten selbst erwirtschaften, erklärt Leiter Alexander Herbrich. Knapp 3 Millionen Euro Umsatz machen die Werkstätten pro Jahr, die Bauklötzchen steuern rund ein Drittel dazu bei. Ansonsten werden in Bad Urach Sprossen für Leitern, Sauna-Uhren sowie Holzkisten gefertigt. „Ziel ist nicht in erster Linie, Gewinn zu machen, sondern Teilhabe an der Arbeit zu ermöglichen“, sagt Herbrich. Der größte Markt für die Produkte der Werkstätten ist Deutschland, wichtigstes Exportland ist Japan vor Holland und England.


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